Sanierung und Umnutzung Halle Grise
BlueFactory Fribourg

STUDIENAUFTRAG: 2017, EMPFEHLUNG ZUR WEITERBEARBEITUNG
BAUHERRSCHAFT: BLUEFACTORY FRIBOURG
ZUSAMMENARBEIT: WEBER + BRÖNNIMANN AG
VISUALISIERUNGEN: FILIPPO BOLOGNESE

Die „Halle grise“ befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Cardinal Bauerei und diente dort der Flaschenabfüllung. Nach dem Produktionsstopp 2011 entschieden Kanton und Stadt Fribourg, das Grundstück gemeinsam zu erwerben und auf dem Areal einen Technologie- und Innovationspark zu entwickeln. Parallel dazu wurde eine privatrechtlich organisierte Gesellschaft „blueFACTORY“ gegründet, die das Quartier fördern, entwickeln, betreiben und bespielen soll.

Die 1962 durch Georges-Pierre Dubois erbaute Abfüllhalle liegt zentral auf dem ehemaligen Brauereigelände und erstreckt sich über drei Etagen, wobei das Obergeschoss von einer Doppelhöhe profitiert. Die statisch begründeten Vorsprünge der Fassade, die scheinbar hängenden Elemente spiegeln die Ästhetik der Technik, die neue Grammatik des Modernismus wider. Die 35.50m überspannenden Scheibenbalken aus Stahlbeton tragen neben dem Dach auch die Installationen. Diese kombiniert funktionale und gestalterische Aufgabe zeigt sich auch in den Dachaufbauten, die dem Lichteinfall und als Standort für technische Installationen dienen sowie eine imposante Dachlandschaft formen.

Die neuen Wegverbindungen binden die Halle grise als wesentlichen Teil in den zukünftigen Technologie-Campus ein. Der besondere architektonische Charakter – einer doppelgeschossigen, majestätischen Industriehalle mit raumbildender Betonstruktur – soll mit gezielten baulichen Eingriffen und einer neuen nachhaltigen Nutzung unterstrichen werden. Unter Berücksichtigung der räumlichen Besonderheiten, jedoch ohne Kenntnis der genauen Raumbedürfnisse sollen unterschiedlich grosse, flexibel unterteilbare Flächen bereitgestellt werden. Die an sich widernatürliche Umnutzung des Gebäudes erfordert typologische Innovationen, die mit Respekt für die Grundtypologie die räumliche Grosszügigkeit erhalten. Neue Zwischenebenen und Deckendurchbrüche erzeugen eine überraschende räumliche Vielfalt mit attraktiven Blickbeziehungen zwischen den Geschossen. Die Erschliessung wird ins Zentrum der Halle gerückt, um Räume mit Tageslichtbedarf an den Fassaden anzuordnen. Eine horizontal und vertikal verspringende „Rue intérieur“ bildet eine Sequenz von Leerräumen, Ebenen und Orientierungswechseln und schafft wiederkehrende Begegnungsorte.

Der grosszügige Eingangsbereich führt in die öffentlichen Räume des Erdgeschosses mit Restaurant, Mikro-Brasserie sowie Auditorien. Eine offene Treppe führt in das neue obere Erdgeschoss und gibt den Blick auf den gesamten Innenraum frei. Die oberen Geschosse sind durch unterschiedliche Mieter besetzt und treten durch visuelle und räumliche Bezüge über die doppel- und dreigeschossigen Freiräume zueinander in Beziehung.

Die räumliche Grosszügigkeit der industriellen Gebäudestruktur, realisiert in vorfabrizierten Betonelementen, soll durch die Kontrastierung mit neuen filigranen Elementen betont werden. Gezielte Eingriffe von chirurgischer Präzision, wie das Entfernen der Fassadenelemente auf Erdgeschossniveau und der Rückbau einiger bestehender Deckenelemente führen das Licht von aussen und über die Dachoblichter ins Innere des Gebäudes. Die in gutem Zustand befindliche bestehende Tragstruktur bietet auch für die zukünftige Nutzung die nötigen statischen Voraussetzungen. Alle strukturellen Eingriffe sind im Hinblick auf eine einfache Montage und Reversibilität geplant. Das bestehende statische System wird durch Haupt- und Nebenträger ergänzt, auf denen Blech-Beton-Verbunddecken aufliegen. Im Sinne der Wirtschaftlichkeit werden die bestehenden Ressourcen der Halle sowie die Vertikalerschliessungen soweit möglich weiterhin genutzt.