Perrondächer
Bahnhof Fribourg

Studienauftrag: Mai 2018
Empfehlung zur Weiterbearbeitung
Planung: ab 2018
Bauherrschaft: SBB Infrastruktur
Zusammenarbeit: Weber + Brönnimann AG
Visualisierungen: Filippo Bolognese

Das Schweizer Schienennetz befindet sich in ständigem Wandel, beeinflusst von zunehmenden Passagierzahlen und technischer Entwicklung. Diese Tatsache wiederum hat direkte Auswirkungen
auf die Infrastrukturen der Bahnhöfe, die heute oft nicht mehr den Anforderungen an Hindernisfreiheit und Sicherheit genügen. Am Bahnhof Fribourg zeigt sich dies insbesondere durch zu niedrige und schmale Bahnsteige. Im Rahmen der dadurch notwendigen Baumassnahmen sollen auch die Ende der 1920er Jahre erbauten Perrondächer erneuert werden.

Die neue Bahnhofsüberdachung soll mit Respekt für die regionale und historische Bedeutung des Bahnhofs Fribourg in zeitgenössischer architektonischer und technischer Qualität auf diese Frage Antwort geben. Die Herausforderung dieses Projektes ist deshalb nicht nur, die bestehenden Überdachungen durch technisch adäquate zu erneuern sondern eine neue Willkommensgeste des Bahnhofs Fribourg aufzuzeigen. Die Perrondächer bilden einen integralen Bestandteil der Erfahrungsreise mit dem Zug – sie sind Empfangs- und Warteräume, Orte der Begegnung.

Die neuen Dächer bedienen sich eines bekannten strukturellen Vokabulars, das speziell auf seine Nutzung angepasst wird. Schlanke Stützen in T-Form tragen ein zweigeteiltes Dach, das sich über den Bewegungsachsen der Reisenden öffnet, indem es im zentralen Perronbereich unter und in den äusseren Bereichen über den Trägern fixiert ist. Dieser Versatz erlaubt nicht nur eine natürliche Belichtung des Perrons sondern variiert auch auf subtile Art die lichte Raumhöhe: etwas tiefer im Bereich des Ein- und Aussteigens; etwas höher im mittigen Aufenthalts- und Wartebereich.
Das System von zentralen Stützen kann durch eine partielle Verdopplung der Stützen einfach an Rampen- und Treppensituationen angepasst werden.
Die künstliche Beleuchtung wird durch indirektes Licht im mittleren Bereich und direktes Licht im Einstiegsbereich funktionell in das Gesamtkonzept integriert.

Neben den tragenden T-Elementen in Stahl zeichnen sich die eigentlichen Dächer durch eine Holzverkleidung in der Untersicht aus, die ein Wiedererkennungsgefühl vermittelt.
Das konstruktiv einfache Prinzip respektiert durch seine funktionelle Bauweise die wirtschaftlichen Mittel und ermöglicht den Bau in Etappen im Hinblick auf eine Baustelle unter Betrieb der Perrons. Die gleichmässige unterseitige Holzverschalung der Dächer ist auf die Montage von Anzeigetafeln, Uhren etc. ausgelegt. Gleichzeitig ermöglicht die Konstruktion eine Anpassung an kleinere oder grössere Perronbreiten. Die Höhe der Dächer im Bahnsteigbereich erlaubt auch den Passagieren im oberen Teil der Doppelstockzüge eine freie Sicht in die Umgebung.